Doping mit Wachstumshormonen

Debatten über das Doping mit Wachstumshormonen werden oft im Zusammenhang mit großen Sportereignissen geführt. Zu groß ist der Leistungsdruck, zu verlockend sind die Preisgelder. Doch wer sich für einen Wettkampf dopt, gilt als Betrüger. Fliegt der Schwindel auf, werden die Leistungen aberkannt. Nicht selten enden solche Fälle in einem medialen Super-Gau. Doch abseits davon nutzen auch Hobbysportler diese Art des Dopings. 

Angst vor dem Arzt unbegründet

Shops im Internet werben ganz offen mit Angeboten für Präparate, die dem Muskelaufbau dienen und auf der Dopingliste stehen. Die Kunden sind meist Hobbysportler. Aus Angst vor einer Strafe zögern sie oft, ihre Kuren von einem Arzt überwachen zu lassen. Doch es gibt für diese Befürchtung keinen Grund. Wer für den eigenen Bedarf Hormone kauft, ohne sich einen Vorteil in einem Wettkampf verschaffen zu wollen, verstößt gegen kein Gesetz.

Anabolika sind Arzneimittel

Anabolika sind Präparate, die zur Beschleunigung und Optimierung des natürlichen Wachstums von Körpergewebe geeignet sind. Meistens streben die Anwender ein schnelleres Wachstum der Muskulatur an. Zu den am meisten genutzten Mitteln zählen anabole Steroide (Abkömmlinge von Testosteron) und Wachstumshormone (auch bekannt als HGH, Somatropin oder Growth Hormone). Keine dieser Substanzen gilt in Deutschland als Betäubungsmittel. Es handelt sich also nach gesetzlicher Definition nicht um „Drogen“, wohl aber um Arzneimittel, da man sie verwendet, um physiologische Funktionen im menschlichen Körper zu beeinflussen. Somit gilt das Arzneimittelgesetz (AMG).

Erwerb und Besitz

Das Gesetz untersagt den Handel mit Arzneimitteln zu Dopingzwecken, nicht aber deren Erwerb, Besitz oder Anwendung. Das bedeutet, dass es einem Arzt nicht erlaubt ist, seinem Patienten ein Dopingmittel zu verschreiben. Das Verbot richtet sich also vor allem gegen die Ärzteschaft und Apotheker. Online-Shops nutzen den Umstand, dass sie wegen einfacher Verstöße gegen das deutsche AMG außerhalb der Staatsgrenzen keine juristischen Probleme mehr zu erwarten haben. Deshalb haben Anbieter, bei denen zum Beispiel britische Kunden bestellen, ihren Sitz gerne in Deutschland oder Österreich, während andere, die auf ein Deutsches Klientel abzielen, oft in Großbritannien, Frankreich oder Spanien ansässig sind.

Erwerb, Besitz und Konsum von Wachstumshormonen werden bei Eigenbedarf und wenn man bei keinem Wettkampf betrogen hat, nicht strafrechtlich verfolgt. Strafbar macht sich allerdings, wer sie an einen Trainingskollegen weitergibt oder sie verwendet, um im Amateur- oder Profibereich zu dopen. Hobby-Bodybuilder, die das Doping mit Wachstumshormonen nur betreiben, um ihre Freunde mit dicken Muskeln zu imponieren, machen sich nach jetziger Gesetzeslage nicht strafbar. Welche Mengen gerade noch unter Eigenbedarf (juristischer Begriff: „nicht geringe Menge“) fallen, ist im Gesetz genau geregelt. Diese Grenze liegt beispielsweise bei Turinabol bei 450 mg.

Doping mit Wachstumshormonen unter ärztlicher Kontrolle

Es lässt sich kaum verhindern, dass sich auch Hobbysportler am Doping mit Wachstumshormonen versuchen. Daher sollten Ärzte und Apotheker, die das bei einem ihrer Patienten vermuten, von sich aus Rat und Hilfe anbieten. Bei einer Anwendung unter ärztlicher Aufsicht lassen sich viele Gefahren im Vorfeld ausräumen.

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