Jintropin macht schneller, aber nicht stärker

Die 100-Meter-Distanz um 0,4 Sekunden schneller laufen – bei Spitzensportlern ist das laut einer australischen Studie durch eine Kombination aus Testosteron und einem Wachstumshormon (HGH; Jintropin) durchaus machbar. Da die Methoden zur Verschleierung den gängigen Testverfahren immer einen Schritt voraus sind, nimmt man an, dass hinter manchem Rekord eine raffinierte Doping-Strategie steht.

Anwendung in der Medizin und im Doping

Das Wachstumshormon wird in der Pädiatrie zur Behandlung von Störungen des Wachstums bei Kindern und Jugendlichen verwendet. Der menschliche Körper stellt es normalerweise selbst in der Hypophyse her. Seit einigen Jahren gibt es gentechnisch produzierte Varianten, die unter anderem als Dopingmittel zur Anwendung kommen. Der Nachweis eines unmittelbaren Einflusses auf das Leistungsvermögen fehlte bisher. Aufgrund von unbestätigten Vermutungen und Erfahrungsberichten setzen es zahlreiche Athleten zur Kraftsteigerung ein. Das Hormon steht ebenso wie anabole Steroide auf der schwarzen Liste der »World Anti-Doping Agency« (WADA).

Studie zur Wirkung von Jintropin

Eine im Mai 2010 veröffentlichte Abhandlung von Forschern des »Garvan Institute of Medical Research« (Sydney) lieferte erstmals den Beweis: Gezielter Einsatz von Wachstumshormonen erlaubt beachtliche Geschwindigkeitssteigerungen. Von dem Effekt profitieren Läufer, Schwimmer und Radfahrer. Die Studie enthält darüber hinaus Angaben zum objektiven Optimierungspotenzial. Jintropin als Einzelpräparat induziert eine Steigerung der Geschwindigkeit im Sprint von 4 % bis 5 %. In Kombination mit Testosteron lässt sich das Tempo um 8 % steigern. Auf der 100-Meter-Laufbahn wäre das also ein Vorteil von 0,4 bis 0,8 Sekunden. Das ist die Differenz, die den Weltrekord von einem Landesmeister trennt. Zwischen Usain Bolt, der bei der Olympiade 2016 als Sieger hervorging, und einigen Athleten, die in der Vorrunde ausgeschieden sind, ist der Abstand zum Teil noch geringer.

Die als Bestandteil eines ins Einzelne gehenden Forschungsprojekts von der WADA in Auftrag gegebene Analyse bietet verblüffende Aufschlüsse: Leichtathleten, die Jintropin erhalten, bauen kaum Muskeln auf; Sie optimieren die Leistung nicht in allen Disziplinen, sondern nur im Wettlauf. Der Leiter der Studie, Prof. Ken Ho, sagte in einer Pressemeldung: „Der Nutzeffekt ist von der Art des Wettkampfs abhängig“. Kraftsportler ziehen keinen Nutzen daraus.

Weitere Ergebnisse

In der Studie wurden 103 Hobbsportler im Alter von 18 bis 40, die seit mindestens zwölf Monaten im Training sind, über eine achtwöchige Zeitspanne beobachtet. Eine Gruppe bekam jeden Tag Jintropin von Novo Nordisk, der Placebogruppe verabreichte man eine Salzlösung ohne Wirkstoff. 68 Personen erhielten eine Kombination aus Jintriopin und Testosteron. Die Probanden, die Wachstumshormon verwendeten, zeigten im Sprint bessere Zeiten, doch sie erlitten auch viele unangenehme Nebenwirkungen. Sie lagerten Wasser im Gewebe ein, wiesen Schwellungen auf und verspürten Schmerzen in der Muskulatur. Die positiven und negativen Effekte verschwand dann binnen sechs Wochen wieder.

Professor Ho setzte niedrigere Mengen ein, als die, die unter dopenden Sportlern gebräuchlich sind. Außerdem wählte er kürzere Behandlungszeiträume. Er vermutet, dass es hinsichtlich der Leistungsförderung noch Luft nach oben gibt, doch zugleich machen höhere Dosen die Nebenwirkungen stärker und gefährlicher. Zu den gravierendsten unerwünschten Folgen zählen das unnatürliche Wachstum der Extremitäten und vorspringenden Teile des Körpers sowie eine Größenzunahme innerer Organe, vor allem des Herzens.

Dopingtests auf Jintropin

Dopingtests auf das Wachstumshormon kamen schon bei den Olympischen Spielen 2004 in Griechenland zum Einsatz. Der Nachweis ist schwierig, da es von der körpereigenen Variante kaum zu unterscheiden ist. Bisher gab es nur eine geringe Anzahl positiver Testergebnisse. Hobby- und Freizeitsportler, die zuletzt in zunehmendem Maße über Onlinevermarkter Jintropin kaufen, sind von Dopingkontrollen ohnehin nicht betroffen.

Quelle und weitere Informationen


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