Testosteron-Gel kann Leistungsfähigkeit verbessern

Bei Männern lässt die Produktion von Testosteron umso mehr nach, je älter sie werden. Das kann zu Problemen führen. In den USA boomt der Absatz von Produkten, die den Mangel beheben sollen. Besonders Testosteron-Gel erfreut sich einiger Beliebtheit. Für das Versprechen, dass eine externe Hormonzufuhr die Gesundheit positiv beeinflusst, fehlte bisher der Nachweis. Eine Studie der Perelman School in Philadelphia (USA) soll das ändern. Erste Ergebnisse gab es 2016.

Probleme vor allem im Alter

Bei Männern lässt im höheren Alter die Produktion von Testosteron nach. Das ist zwar normal, kann aber zu Problemen mit der Potenz führen. Außerdem kommt es zu einer Abnahme der Muskelkraft und man(n) fühlt sich weniger Agil. Manche Herren sind damit nicht glücklich. Der Absatz von Produkten, die das beheben sollen, steigt daher Jahr für Jahr. In den USA laufen ohne Unterlass PR-Kampagnen, die dem Testosteron einen Nutzen beimessen, der von der Mehrheit der Experten als übertrieben betrachtet wird. Bisher fehlt für das Versprechen, dass eine externe Zufuhr des Hormons die Symptome aus der Welt schafft, jeglicher Nachweis.

Als gesichert gilt nur, dass das Hormon die Muskeln stärkt, während es zugleich das Körperfett reduziert. Das erklärt die Beliebtheit dieser Präparate im Kraftsport. Doch die Datenlage im Hinblick auf das Leistungsvermögen, die Potenz und die Vitalität ist, gemäß der Ansicht einer Gruppe von Spezialisten der Academy of Medicine, eher schlecht. Dieser Umstand gab dann den Ausschlag zur Realisierung der sogenannten T-Trials, einer Reihe von sieben Einzelstudien. Die Forscher erhalten Fördermittel vom National Institute on Aging (NIH) sowie von AbbVie, dem Herstellers eines der populärsten Testosteronpräparate.

Studie: Testosteron-Gel vs. Placebo

Der Endokrinologe Peter J. Snyder von der Perelman School stellte Anfang 2016 die ersten Ergebnisse von drei Studien mit Fokus auf Agilität, Körperfunktionen und sexuelle Aspekte vor. Die Probanden, 790 Männer ab 65 mit Testosteronmangel, wiesen vor Studienbeginn jeweils eine Plasmaspiegel von unter 275 mg/dl auf. Sie erhielten zur täglichen Anwendung ein Gel. Bei der Hälfte der Teilnehmer enthielt es ein Placebo, der Rest bekam ein Testosteron-Gel. Die Dosis wurde so gewählt, dass die Werte auf das Niveau eines 19- bis 40-jährigen anstiegen. Um die Risiken für die Freiwilligen zu minimieren, gab es zahlreiche Ausschlusskriterien. Prostatakrebs und dessen Vorstufen, Infektionen der Harnwege, anormale Blutwerte, Probleme mit Alkohol oder Drogen, Erkrankungen des Herzens oder der Leber, ein BMI über 37 kg/m² sowie psychiatrische Störungen sind nur einige davon. Nur 1,5 % der Bewerber erfüllten alle Bedingungen.

Bei vielen Teilnehmern gab es neben dem Testosteronmangel noch andere Probleme, die jedoch keine Ausschlusskriterien waren. Meist handelte es sich um leichtes Übergewicht und hohen Blutdruck. Bei rund 33 % wurde Diabetes festgestellt und 20 % litten an Schlafapnoe (SAS).

Nutzen von Testosteron-Gel

Die Studie dokumentiert in mancher Hinsicht nur mäßigen Nutzen. So zeigten etwa die sexuellen Funktionen nur geringe Verbesserungen. In den täglichen Fragebögen berichteten die Männer zwar etwas öfter von geschlechtlicher Erregung bzw. sexueller Aktivität, doch der Einfluss auf Erektionsstörungen ist geringer als bei den gängigen Potenzmitteln.

Die Wirkung auf die allgemeine Fitness ist ebenfalls marginal. Eine augenfällige Steigerung ist lediglich in der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse aller drei Studien zu erkennen. In der Testosterongruppe verbesserten 20,5 % der Probanden ihre Gehstrecke über 6 Minuten um 50 Meter, während es mit dem Placebo nur 12,6 % waren. Die Streckendifferenz zwischen beiden betrug im Durchschnitt nur 6,69 Meter. Die messbaren Fortschritte blieben hinter dem subjektiven Empfinden zurück. Zumindest ist ein leicht positiver Einfluss auf die Stimmung erkennbar. In Hinblick auf die Vitalität bestand im Gruppenvergleich kein Unterschied, so dass die subjektive Zunahme derselben als Placebo-Phänomen zu bewerten ist. Angesichts der hohen Beliebtheit der Testosterontherapie in den USA dürfte dieser Befund für einiges Aufsehen sorgen.

Verträglichkeit und Sicherheit

Nach nur einem Jahr ist noch nicht klar, ob man die Therapie als verträglich und sicher bezeichnen kann. Die Häufigkeit der Nebenwirkungen ist in beiden Gruppen gleich. Die Gruppe, die ein Testosteron-Gel erhalten hatte, hatte allerdings höhere PSA-Werte. Bei drei Personen aus der Testosterongruppe und einem aus der Placebogruppe hatte sich ein Tumor an der Prostata entwickelt. Kein Anstieg ist hingegen bei Herz-Kreislauf-Problemen festzustellen. Die Forscher gehen davon aus, dass für derartige Folgewirkungen die einjährige Beobachtung zu kurz ist. Tumore und Probleme mit Herz und Kreislauf werden bei zukünftigen Forschungen im Mittelpunkt stehen.

Quelle und weitere Informationen


Testosteron-Gel
Testosteron-Gel (Symbolbild)

Externe Links: Testosteron-Gel kaufen

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